Die bestellte Dreambox ist letzte Woche angekommen und ich konnte sie über das Pfingstwochenende ausgiebig testen.

Die „Auspackzermonie“ hätte ich fotografieren sollen. Das ist ja fast so, als würde man einen Mac auspacken (jeder, der das schon mal gemacht hat, weiss was ich meine). Festplatte einbauen war dank ausführlicher und bebilderter Beschreibung im Handbuch kein Problem. Nachdem ich das Gerät an meinen AV-Verstärker angeschlossen hatte, hiess es einschalten und durchführen der Erstinstallation. Hat auf Anhieb geklappt. Skalierung auf 1080i eingestellt. Das SD-Bild ist dem meines alten Topfield 5000 PVR ebenbürtig. HD-Bilder erscheinen mir etwas kontrastarm, was ich aber leicht mit dem TV-Gerät ausgleichen kann. „Overscan“ am TV (Panasonic ) wird benötigt, da ansonsten am oberen Bildrand ein paar Zeilen stark flimmern. Schade, dachte eigentlich, bei einer nativen Auflösung mit 1080 Zeilen könnte man (wie beim AppleTV und den beiden anderen Receivern, die ich zum Testen da hatte) diesen „Bildverbesserer“ abschalten (weniger ist mehr…). Später habe ich umgestellt auf 720p. Overscan wird hier nicht mehr benötigt, weshalb mir das bei meinen Heimkino-Komponenten die bessere Wahl zu sein scheint.

Die frisch eingebaute Festplatte wurde sofort erkannt, über das Menü habe ich sie initialisiert, womit sie auch gleich betriebsbereit war.

Nächster Schritt: Kanalliste bearbeiten. Dafür habe ich kurz das Handbuch gebraucht, denn die Bedienung der Dreambox ist noch gewöhnungsbedürftig. Erst mal aus der „Alle-Liste“ die noch fehlenden Sky-Kanäle und noch manch andere Programme in die Favoriten-Liste übernommen.

Zur besseren Verwaltung der Kanallisten habe ich iDreamX auf meinem Mac installiert, doch iDreamX scheint zu hängen…

Die neue Anordnung der Favoriten und Kanäle hat’s aber trotzdem auf die Box überspielt.

Nächster Step: Eine Betriebs-Software mit grösserem Funtionsumfang installieren. Die Wahl fiel nach Empfehlungen aus dem HiFi-Forum und ihat auf Gemini2. Dank dieser Anleitung war es für einen ITler, wie ich es bin, dann doch recht einfach, die Box zu „flashen“ und das Gemini-Image zu installieren.

Man hätte aber irgendwo in der Gemini-Wiki hin schreiben können, dass man die Kanallisten sichern sollte. Diese sind nach dem Flash-Vorgang nämlich weg 😦 Ich hatte zwar eine iDreamX-Sicherung, aber die war nicht auf das Gemini-Image anzuwenden. Also auf ein Neues… Das zweite Mal die Kanalliste bearbeiten und Favoriten aller Art speichern gestaltete sich wesentlich schneller. Zum einen, weil iDreamX mit Gemini2 besser läuft als mit dem Original-Image, zum anderen weil ich schon ein wenig Übung hatte.

Somit ist das Gerät von einem Neuling wie mir am ersten Tag so konfiguriert, dass die Familie im Sinne von „normal Fernsehschauen“ damit zurecht kommt. Positiv. Aber ich habe mich auch ‚reingehängt, ich musste viele viele verstreute Infos zusammentragen.

Für den Mac gibt es ja auch die mächtige Software TV-Browser, über die ich schon einmal berichtet habe. Damit ist es möglich, wie in einer Programmzeitschrift zu blättern und per Mausklick einen Timer auf der Dreambox zu erstellen. Super!

Leider hat die Dreambox ihren grössten Schwachpunkt im EPG. Dieses kann trotz PlugIns dem Komfort, wie ich ihn vom Topfield in Verbindung mit dem TAP 3PG gewohnt bin, nicht das Wasser reichen.

Man kann mit Hilfe von des Autotimer-Plugins auf der Dreambox textbasierte Timer erstellen. Dies ist dann aber wie eine separate Anwendung, die erst mal gestartet werden muss und nicht wie bei 3PG (das TAP für Topfield) ins EPG integriert. Dann sind die EPG-Sichten „verstreut“. Um eine Tagesübersicht zu einem Kanal zu bekommen, sollte man das Quickbutton-PlugIn installieren um dann z. B. auf die Rote Taste das „Multi-EPG“ zu legen. Um z. B. zu sehen, was „jetzt“ in allen Kanälen läuft, kann man die „Bouquet-Taste“ drücken, die eigentlich dafür da ist, die Favoriten-Liste zu wechseln. Den gleichen Überblick bietet das „Einfach-EPG“. Hier sieht man eine Liste der nächsten 16 Sendungen des laufenden Senders. Zudem kann ich hier im Gegensatz zur Kanalliste einen Aufnahme-Timer erstellen.

Im 3PG des Topfield ist alles wesentlich durchgängiger, nicht so kompliziert und dennoch vom Funtkionsumfang ebenbürtig und teilweise auch überlegen. Das 3PG ist sozusagen die Eierlegende Wollmilchsau, die viele Grundfunktionen des Topfield ersetzt und nicht einfach nur ergänzt, wie dies bei den PlugIns der Dreambox der Fall ist. Um z. B. einen textbasierten Timer zu erstellen, genügt es, im EPG die rote Taste zu drücken, auf Wunsch ein paar Details des Timers zu verändern oder direkt mit OK bestätigen. Dabei ist es egal, ob ich im Einzel-EPG, im Multi-EPG oder gar in der Liste der Aufzeichnungen bin. Ja, sogar dort kann man einen textbasierten Timer erstellen. Mit zwei mal Knöpfchen drücken. Ohne ein Plugin zu wechseln. Es ist einfach viel intuitiver und durchgängiger. Man kommt schneller und einfacher ans Ziel.

[Abschnitt am 26.5.10 nachgetragen:] Bei der Dreambox gestaltet sich die Erstellung eines textbasierten Timers umständlich. Szenario: Man hat eine Serie im EPG entdeckt, die man ab sofort aufzeichnen möchte. Man beendet das EPG, startet das PlugIn Autotimer, drückt „grün“ für „Neuen Timer erstellen“. Jetzt wird ein Timer-Wizard gestartet, der viele Daten nach und nach abfragt. Aber viele auch nicht, also muss man den mit dem Wizard erstellten Timer doch nochmals auf zwei verschiedenen Masken manuell nachbearbeiten. Mal davon abgesehen, dass mich solche „Wizards“ an Windows 95 erinnern – also ein wenig „Old School“ sind – ist das Erstellen im Vergleich zu 3PG extrem umständlich. Wie gesagt: Rote Taste innerhalb vom EPG und speichern drücken reicht in 3PG meistens aus…

Im Dreambox-Forum habe ich den Satz gelesen: „Lerne erst mal die Dreambox verstehen, bevor Du Forderungen stellst“. Mit einer solchen Haltung werden die Entwickler und Cracks nie verstehen, worauf es bei einer einfachen Bedienbarkeit ankommt. Klar, nicht jeder legt Wert auf guten Bedienungskomfort bis ins Detail. Und nicht jeder nutzt alle Funktionen. Vor allem dann nicht, wenn sie umständlich handzuhaben sind. Ist es aber einfach, wird man viele Funktionen nutzen, von denen man vorher gedacht hätte, dass man die nie bräuchte.

Dieses „Quickbutton“ musste ich übrigens nach jeder Installation oder Deinstallation eines Plugins neu konfigurieren. Ansonsten kam die Meldung „PlugIn nicht gefunden“.

Hier nochmal zusammengefasst die Pros und Contras aus meiner Sicht zur Dreambox:

+ Sehr schnelle Umschaltzeiten
+ Sehr stabile Software
+ Gutes Bild (SD und HD)
+ Extrem flexible Erweiterungsmöglichkeiten
+ Viele Zugriffsmöglichkeiten von aussen (Streaming, Timer-Erstellung, Konfiguration, …)
+ Sehr leise (nicht hörbar, ausser das Anlaufen der Platte)

– EPG
– EPG
– EPG
– Viele unnötige Abfragen („Möchten Sie wirklich…?“) – das ist EDV-Steinzeit
– PlugIns eingeschränkt
– Umständliche Bedienung
– Schlechte Umsetzung des Timeshift
– Viel „Einarbeitungszeit“ nötig

Meine Frau hat entschieden: „Können wir nicht beim Topfield bleiben? Ich sehe sowieso keinen grossen Unterschied zwischen HD und SD.“

Ich habe entschieden: „Viel zu kompliziert und umständlich für unseren Bedarf. Zudem gibt es grosse Einschränkungen in der Bedienbarkeit bei den für uns wesentlichen Dingen, allen voran das EPG.“

Ich werde die Dreambox also zurück schicken und die Fußball-WM jetzt in SD schauen und warten, bis der Topfield SRP 2410 im Juli auf den Markt kommt. Dieser wird dann mit „iTina“ erweitert, ein TAP, das dem 3PG ähnelt. Mehr braucht’s nicht. Weniger aber auch nicht…


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